1
Jun
2014

Klaus Schultz zum Gedenken

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Im Jahr 1996 engagierten mich Klaus Schultz und Reinhard Schwarz an das Staatstheater am Gärtnerplatz München, wo ich als Dirigent und seit 1999 als Geschäftsführender Stellvertreter des Chefdirigenten (David Stahl) bis 2004, danach bis 2007 als ständiger Gastdirigent wirkte. Mittlerweile sind alle drei nicht mehr am Leben, Klaus Schultz verstarb am 26.04.2014, nachdem er noch im Februar bei zwei konzertanten Aufführungen in Dresden die Loriot-Texte zu CANDIDE von L. Bernstein brillant vorgetragen hatte. Eine Erinnerung.


Gärtnerplatz 1996 - 2007
Ein Rückblick

Sein kleines, enges, für einen Staatsintendanten nicht üppig bemessenes Dienstzimmer ist voller Bücher und Akten. Papiere stapeln sich, Programmhefte, Entwürfe, Bühnenbilder. Im Hintergrund ein Schreibtisch, Fax, Computer, Telefon. Vorn ein kleinerer runder Tisch, 3-4 Stühle. Größere Besprechungen finden in der 'Bibliothek' statt, ein Raum auf Ranghöhe, für den der Gärtnerplatz-Chef einen Teil seiner Privatbibliothek bereitgestellt hat – der Intellekt dominiert ungewollt auch die sogenannte 'Dispo', die das Tagesgeschäft klärt.

Klaus Schultz – ein "intellektueller Intendant" ohne rechte Fortüne? Diese Mär geisterte nach Ende seiner Amtszeit 2007 durch das Münchner Feuilleton und es gilt, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Gerechtigkeit gegenüber einem intelligenten, leisen und sehr menschlichen Intendanten, Gerechtigkeit aber auch einem Ensemble gegenüber.

Schultz war nie ein lauter Intendant, seine brillanten Premierenreden oder Ansagen vor dem Vorhang (angesichts von 70 Besuchern einer von der Technik bestreikten halbszenischen Vorstellung von Schnebels MAJAKOWSKIS TOD: "...und sagen Sie nicht, es sei schlecht besucht: Sie sind ja da, also ist es gut besucht!") waren zwar humorvoll, treffend, bisweilen auch ironisch – laut im Sinne von Beifall heischend waren sie nie. Aber auch nicht vordergründig "intellektuell" – dagegen geprägt von Intelligenz. Schultz wusste stets um die Halbwertszeit des Premierenerfolgs. Mochte er noch so groß sein, 2 Tage später vermeldet die Presse gern das Gegenteil.

Die Presse. Man möchte manchen Kritikern die Erfahrung, die Weltläufigkeit und vor allem das immense Wissen dieses Theaterprinzipals (obwohl das Wort nicht unbedingt für ihn passt – ein Prinzipal im Sinne Everdings war er nie und wollte es wohl auch nicht sein) wünschen. Wer mit Adorno, Dohnanyi, Gielen, Berghaus, Everding, Sawallisch, C. Kleiber, Karajan und Tausenden anderer Hochberühmtheiten ständig gemeinsam gearbeitet, Theater gemacht, Pläne geschmiedet und vor allem verworfen hat, wer als Dramaturg in Frankfurts Oper, Münchens Staatsoper, Berlins Philharmonie, später als Intendant in Aachen und Mannheim, zuletzt eben in München am Gärtnerplatz sowie als Mitarbeiter und Stellvertreter W. Wagners in Bayreuth gearbeitet hat – sollte man da nicht öfter die eigenen Kriterien befragen?

Natürlich kann die LUSTIGE WITWE schiefgehen – sogar und vielleicht gerade mit oder wegen Hildegard Behrens in der Titelrolle. Ein grandioser Versuch war es dennoch, akribisch recherchiert und mit einem fulminanten Programmheft versehen: immerhin hatte Hitler seinerzeit das Stück mit Heesters als Danilo von der "Führerloge" im Gärtnerplatztheater aus mehrfach verfolgt – das kann keine moderne Regie einfach übergehen. Franz Winter hat dabei nicht einmal das Stück quergebürstet. Keine Kloschüsseln, kein Computer, keine modernen Kostüme. Lediglich die Witwe etwas älter und melancholischer als üblich, und der Danilo ein alter serbischer Suffkopf – kein Dandy mit weißem Seidenschaal. Den berühmten Auftrittsschlager "Dann geh ich ins Maxim" sang Danilo konsequenterweise im Kopfstand… Winter hat dem Stück keinen rauschenden Erfolg verschafft – das war der Fehler. Ein Scheitern "auf hohem Niveau", wie Schultz damals konstatierte. Das sieht natürlich ein Kultusministerium anders.

Ähnlich der streitbare VOGELHÄNDLER, dessen interessanter Ansatz spätestens bei Mahlers Posthornsolo, Schuberts 'Nachthelle' und dem fehlenden happy-end dem Publikum im Halse stecken blieb – aller Poesie zum Trotz. [Zweite Vorstellung, Ende, gezischter Publikumskommentar: "Schubert gehört nicht in die Operette"]. Und natürlich ist eine im großen Münchner Haus mit den Biermösln aufgepeppte FLEDERMAUS, launisch und flott gespielt, allemal "reibungs"loser in des Wortes bestem Sinn als die des kleinen Hauses, deren Dialoge einstmals (in der Originalbesetzung) wahrscheinlich so genau gearbeitet waren wie sonst nirgends in Operettendeutschland. Von meinen etwas differenzierteren Tempoansätzen, über die sich streiten lässt, will ich hier nicht reden, auch nicht von der, wie ich glaube, wundervollen Idee des Regisseurs (die ich in verschiedenen Arrangements umzusetzen suchte), im 2. Akt eine Schrammelkapelle spielen zu lassen: Strauß, russische Walzer, ungarischen Csardas und – notabene- Schubert. All das trug zu Missverständnissen bei, beförderte die Melancholie des Stückes, was nicht allseits gut ankam. Sei's drum. Es war eine ehrliche FLEDERMAUS, eine, die sich der ernsthaften Auseinandersetzung mit der Zeit zu stellen versucht hat. Und die Reibung nicht scheute – vor allem die Reibung an den Ansprüchen eines Publikums, das ein als lustig und besonders flott apostrophiertes Stück sehen will.

Dem Gärtnerplatz leichthin Biederkeit vorzuwerfen, wie es 2007 die Bayerische Staatszeitung tat (als Sprachrohr der Landesregierung und damit auch der Kultusbehörde besonders interessant zu vermerken!) und gleichzeitig gütigst zu erwähnen, ein solches Theater könne sich eben keine Bartoli leisten – das ist wohlfeil. Denn mit seinen Ressourcen hat der Gärtnerplatz unter Klaus Schultz stets recht ordentlich gehaushaltet. Er hat ein Ensemble beschäftigt, das eine Cornelia Horak beschäftigte, die als Ilia, Papagena, Pamina, Fiordiligi, Despina, Orlowsky, Dolly, Hannah Glawary, Valencienne und so weiter ebenso brillierte wie als Gefährtin in Nonos INTOLLERANZA. Sie steht als besonders vielseitige Sängerin und Beispiel nur für das, was viele andere ebenso verkörperten: Ann-Katrin Naidu, Simone Schneider, Ruth Ingeborg Ohlmann, Elaine Ortiz-Arandes, Nathalie Boissy, Alexandra Petersamer, Barbara Schmidt-Gaden, Sandra Moon, Sneshinka Avramova, Wolfgang Schwaninger, Thomas Cooley, Kobie van Rensburg (der den Idomeneo mittlerweile an der MET gab), Christoph Stephinger, Holger Ohlmann, Thomas Gazheli, Garry Martin, Jörg Simon... – Leute, mit denen je nach Aufgabe immer Staat zu machen war! Und die Ungenannten – sie mögen verzeihen – hatten ebenso ihre Sternstunden. Ausfälle gab es so gut wie nie. Man sollte so ehrlich sein zu erwähnen, dass die Monatsgage im Gärtnerplatz dort endete, wo das Abendhonorar für manche mittlere Partien in der Bayerischen Staatsoper anfing.

Setzen wir also an dieser Stelle noch eine besondere Erinnerung hinzu. Neben der wundervollen MARTHA mit Loriot, dem CAMPIELLO mit Wenjamin Smechow (dem berühmten Moskauer Voland des Taganka-Theaters), Ausgrabungen wie der MIGNON oder schlichtweg wundervollen Abenden mit ENTFÜHRUNG, IDOMENEO, ARIADNE, CAPRICCIO, FALSTAFF, DON GIOVANNI, FIGARO, ZAUBERFLÖTE, HÄNSEL UND GRETEL u.v.a.m. gehört die folgende Liste zu den wirklich innovativen Leistungen der Ära Schultz:

Musiktheater des 20. Jahrhunderts am Gärtnerplatz:

1997: AUS DER MATRATZENGRUFT (ML R. Schwarz, I G Horres) Günter Bialas – der altersweise Meister voll stiller Schönheit, künstlerischer Ehrlichkeit und handwerklicher Sauberkeit.
1997: MELUSINE (Münchner EA) (ML R. Schwarz/E. Klemm, I A. Paeffgen) Aribert Reimann – der avancierte Ästhet der Moderne, voll rhythmischer und virtuoser Finessen, voll romantischer Anspielungen, schwierig und schön...
1999: WENN DIE ZEIT ÜBER DIE UFER TRITT (UA) (ML E. Klemm, I P. Boysen) Wladimir Tarnopolski – der bizarre Polystilist aus Moskau mit seinem ambitionierten Klangkompendium von S. Reich bis I. Xenakis; der dennoch er selbst blieb (und mit dem Komponieren erst 3 Wochen vor ultimo fertig war...).
2000: THE RAKE's PROGRESS (ML D. Stahl/E. Klemm, I P. Boysen) Igor Stravinski – der strukturbetonte Poet mit dem an Bach und Mozart gemahnenden Meisterwerk.
2000: DIE ENGLISCHE KATZE (Münchner EA) (ML E. Klemm, I J. Schölch) Hans Werner Henze – der artifiziell romantisierende Klassiker der Moderne… 50 und mehr Ensembleproben ermöglichte das Gärtnerplatztheater und erntete einen großen Erfolg.
2001: DER REVISOR (ML E. Klemm, I C. Guth) Werner Egk – die bayerische Variante von Stravinski und Prokofjew. Ein bissiges Stück, nicht ganz so genial wie seine Vorbilder.
2002: A(T)TEMPTING BEUATY (UA) (CH Philip Taylor, ML E. Klemm) Ballettabend mit Musik von Elena Kats-Chernin, Gavin Bryars, Arvo Pärt, Henryk Górecki, Aaron Jay Kernis und Annie Lennox – einer von Philip Taylors phantasievollen Abenden mit neuen Choreografien
2003: DAS BEBEN (UA) (ML E. Klemm, I C. Guth) Avet Terterian – der unbekannte Exot aus Armenien; voller Intensität, bohrender Schmerzlichkeit, unbändiger Kraft, meditativer Stille und aufwühlender Energie. Terterian – ein persönlicher Freund, dem ich posthum diese UA schenken konnte.
2004: BERENICE (UA) (ML Stefan Asbury, I C. Guth) Josef Maria Staud – der moderne Nachfahre Schuberts und Mahlers, Klangmagier mit einem Hang zum Jazz. Das anspruchsvolle Libretto Durs Grünbeins.
2005: MAJAKOWSKIS TOD (Münchner EA) (ML E. Klemm, I F. Klepper) Dieter Schnebel – der junggebliebene Theologe, Philosoph, Komponist, Linke… Ein anvanciertes Stück, überraschend romantisch, den Rap nicht scheuend, auffallend musikantisch – "tja, ich wollte ja eine Oper schreiben!".
2007: INTOLLERANZA (Münchner EA) (ML E. Klemm, I F. Klepper) Luigi Nono – der aufrührerische Linke und sensible musikalische Poet, Freund von M. Pollini und C. Abbado, ein Stück musikalischer Revolution am Gärtnerplatz.

Damit – und mit vielen weiteren Zusatzprojekten, die konzertant erklangen – dürfte zwischen 1996 und 2007 das Staatstheater am Gärtnerplatz München eins der innovativsten Musiktheater deutschlandweit gewesen sein.

Klaus Schultz sei Dank.

29
Apr
2014

Peter Gülke zum Achzigsten

Peter-Guelke

Am heutigen Tag fand in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden eine Ehrenkolloquium für Peter Gülke statt, z. Zt. auch Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, die Kooperationspartnerin der Veranstaltung war. Ein Grußwort mit Gratulation.

Veröffentlichungen von Peter Gülke

Peter Gülke auf MDR



Verehrter, lieber Herr Prof. Dr. Gülke,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ganz herzlich heiße ich Sie alle willkommen zu diesem Ehrenkolloquium und darf zu Beginn zunächst die Geburtstagsgrüße und –wünsche des gesamten Rektorats und unserer Hochschule an unseren Jubilar übermitteln!

Ganz besonders heiße ich unsere Gäste willkommen, Sie, verehrte Frau Prof. Dr. Wiesenfeldt aus Jena bzw. Weimar, Herrn Prof. Dr. Schneider aus Berlin, Herrn Prof. Dr. Hinrichsen aus Zürich, Herrn Prof. Dr. Osterkamp aus Berlin! Ganz herzlich grüße ich auch die mitwirkenden Musikerinnen und Musiker, das Dresdner Streichquartett von der Sächsischen Staatskapelle, das trio sostenuto – gerade mit einem Preis beim Hochschulwettbewerb geehrt – und das vocalis ensemble dresden. Wir freuen uns, dass Sie alle gekommen sind, um an diesem Tag gemeinsam mit Peter Gülke zu feiern, indem wir ein klein wenig zurück, vor allem aber weiter nach vorn schauen auf den Gegenstand, der uns alle umtreibt: Die Kunst, in Sonderheit die Musik. Die Vorgabe von Peter Gülke war ebenso lakonisch wie umfassend: von Dufay bis Rihm… Über alles dazwischen könne geredet werden. Lassen Sie mich etwa in der Mitte, oder vielleicht besser: im goldenen Schnitt anfangen:

"Triumph der neuen Tonkunst" heißt ein exemplarisches Buch aus der Feder des heute zu Ehrenden. Es beginnt mit der Entschuldigung, dass die "Annäherung" an die großen Sinfonien von Mozart für den Titel sicher passender, jedoch bereits durch den großen Georg Knepler besetzt gewesen wäre. Und dann fährt Gülke fort:

"Kein kommentierendes Wort wird die Musik, die es meint, je ganz treffen, die Mozartsche am wenigsten. Einerseits ist der Beschreibende verpflichtet, zu reflektieren, was er treffen kann und was nicht; andererseits muß es ihn locken, den gegebenen Spielraum aufs Äußerste zu nutzen, die verbalen Kreise möglichst eng zu ziehen um das, was unerreichbar bleibt. … Was klingt, ist allemal anders, als was sich erklären läßt; dennoch und deshalb sagt gewissenhafte Rechenschaft über die Art und Weise, in der eine Erklärung am Phänomen der klingenden Musik abprallt oder danebentrifft, über diese mehr als Verallgemeinerungen, welche im Eifer des Identifizierens das Nichtidentische, durch das Schleppnetz der Argumentation Fallende, über dem Sagbaren das Nichtsagbare vernachlässigen. Wer an deren Abgrenzung sich abarbeitet, wird dem jenseits Liegenden sich mehr annähern, als wer bei der Auskunft innehält, Musik vom Rang der hier behandelten mache alles spekulative Drumherum überflüssig – wohl verständlich angesichts jenes Anpralls, schlimm jedoch als Prämisse."

Es sind Widersprüche dieser Art – und als Dirigentenkollege erlaube ich mir anzufügen – es sind existenzielle, im Sinne des Wortes an die künstlerische Existenz greifende Widersprüche, von denen Peter Gülke redet. Er thematisiert sie in seinem Werk und Wirken von Beginn an und es kann heute nur von einer unübersehbaren Fülle gesprochen werden, zu der diese existenziellen Auseinandersetzungen geführt haben – wir stehen staunend vor einem faszinierenden Lebenswerk und verbeugen uns. Dass nach ungezählten Ehrungen aller Art, zu denen auch die Ehrenpromotion dieser Hochschule im Jahr 2007 gehört, nun mit dem Siemens-Musikpreis 2014 eine gebührende und überaus angemessene Krone aufgesetzt wird, ist uns eine ebenso große Freude, wie diese Würdigung ein besonderes Signal aussendet. Erst zum dritten Mal nach Robbins Landon 1992 und Reinhold Brinkmann 2001 ist die Entscheidung der Jury musikwissenschaftlich konnotiert – im Falle Gülkes jedoch deutlich mit dem Verweis auf die von ihm geschlagenen Brücken zwischen Theorie, Praxis und vor allem auch zur Pädagogik. Die gern als 'Nobelpreis der Musik' bezeichnete Ehrung bezieht sich insgesamt auf ein Wirken im Dienste der Musik und hebt den 'Grenzgänger' und 'Weltenverbinder' hervor.

Ganz in diesem Sinne kann Peter Gülke wohl als einer der vielbeschworenen und im Untergehen begriffenen "Universalgelehrten" bezeichnet werden, dessen interdisziplinäre Ausbildung als Musiker, als Cellist ebenso wie als Dirigent, als Musikwissenschaftler, Germanist und Romanist die Grundlage bildet für ein Schaffen, das hinsichtlich der wissenschaftlichen Ergebnisse ebenso bahnbrechend und erfolgreich ist wie hinsichtlich seiner musikalischen Laufbahn. Hinzu kommt ein bewundernswürdiges Engagement in Gesellschaft, Politik und speziell natürlich Musikpolitik. Gleichviel, ob es das von ihm ganz wesentlich geprägte Dirigentenforum des Deutschen Musikrates oder die Präsidentschaft der Sächsischen Akademie der Künste betrifft, gleichviel, ob der Kampf als Generalmusikdirektor zu DDR-Zeiten in Weimar oder jener in Wuppertal gerade die Biografie bestimmten – Gülkes Wirken war immer mit Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Gründlichkeit, jedoch immer auch mit Dialog, Kommunikation und Respekt verbunden. Um seinem Weimarer Orchester die Reise in den Westen zu ermöglichen, verschloss er sich dem Gespräch mit den politisch Verantwortlichen der damaligen Zeit nicht – stellte sich jedoch nach mehreren Stunden demonstrativ zum Yoga auf den Kopf, denn eine Bruckner-Sinfonie stand am Abend noch auf dem Konzertplan…

Sich auf den Kopf stellen und einen geraden Rücken behalten. Dies ist nur eine signifikante Geschichte von unzähligen, eine besonders eindrückliche und schöne sicherlich, die aus der Perspektive mehrerer Jahrzehnte ein Lächeln hervorbringt, zu dem die konkrete Situation damals ganz sicher keinen Anlass gab!

Ich selbst hatte die Freude und Ehre, Peter Gülke in der Zeit seines Wirkens hier in Dresden kennenzulernen. Nach dem Genuss der Lektüre seines Buches "Mönche, Bürger, Minnesänger" aus dem Jahre 1975 war er mir zu Beginn meines Studiums 1979 längst ein Begriff, ich hospitierte daraufhin in seinem Unterricht, war Zeuge etlicher Vorstellungen und Konzerte, von denen die Uraufführungen von Rainer Kunads Oper VINCENT und jene von Udo Zimmermanns DER SCHUHU UND DIE FLIEGENDE PRINZESSIN besonders im Gedächtnis haften blieben. Schon damals war der Brückenschlag zwischen Dirigieren und Wissenschaft zu bewundern: In die Zeit seines Dresdner Wirkens fiel die erste Veröffentlichung der Erkenntnisse vor allem zu Franz Schubert und Ludwig van Beethoven, deren wir sozusagen relativ nahe zu ihren jeweiligen Geburtsstunden teilhaftig werden durften. Ich werde nie die wunderbare Art vergessen, mit der uns Peter Gülke den Unterschied zwischen Akzent und diminuendo bei Schubert beschrieb und am Beispiel der fortissimo- Akkorde der 'Unvollendeten' die revolutionäre Wirkung dieses Gewitters nach dem erstorbenen Gesang des zweiten Themas demonstrierte. Um diese Sprengkraft – und was sie für die Zeit der Uraufführung möglicherweise zu bedeuten hatte – zu erneuern schlug Gülke vor, in heutigen Aufführungen statt des c-Moll einen Zwölftonakkord zu musizieren… Auch die Interpretation der "Fünften" von Beethoven und insbesondere ihres Scherzos war nach den damaligen Vorträgen und Begegnungen nicht mehr so möglich wie vordem. Es steht zu befürchten, dass die Erkenntnisse und die Neuausgabe von 1977 heutzutage wieder stark in Vergessenheit geraten sind und die Argumentationen pro oder contra del Mar (Bärenreiter) oder Gülke (Peters) dürften zum spannendsten Diskurs der Beethovenforschung gehören. Ein Jammer, dass Gülkes geplante Gesamtedition politischen Auseinandersetzungen zum Opfer fiel.

Minutiös übertrug Peter Gülke seine interpretatorischen Einsichten in der problematischen Aula der Blochmannstraße auf die Studierenden des Hochschulsinfonieorchester, probte Beethoven, Brahms, Schubert oder Strauss' Till Eulenspiegel und verlor dabei nie die Geduld. Ein partnerschaftliches Verhältnis zu den Musizierenden galt ihm bei den Profis wie den Studierenden stets als wichtigste Arbeitsgrundlage. Insofern ist es nur folgerichtig, dass er in einem seiner Aufsätze über das Ende des Schamanentums beim Dirigieren sich auf Christoph von Dohnányi bezieht und den Kollegen zitiert, der von einer "neuen Partnerschaft" und vom "Ende des patriarchalischen Systems" sprach. Seit dem Erscheinen des Aufsatzes ("Dirigentendämmerung", Das Orchester, Heft 3, März 1997) sind nun schon wieder 17 Jahre vergangen, die Analyse von damals kann von heute aus gesehen als außerordentlich hellsichtig eingeschätzt werden. Sie mündet in die Erkenntnis:

"Einstweilen verdecken hohe Standards, die Machtfülle und die Allgegenwart der großen Namen, daß die Verabschiedung des Präzeptors längst begonnen hat, wie immer Napoleon und Prospero partiell überdauern mögen. Wegweisende interpretatorische Impulse gehen immer seltener von Dirigenten aus, am wenigsten von den betriebskonformen.
Der Dirigent wird dafür gerade zu stehen haben, daß das Verhältnis von universalem Anspruch und Spezialisierung neu definiert werden muß. Vielleicht aber wird sich gerade die Verschiebung des präzeptoralen Anspruchs (welcher ja nie bedeuten konnte, daß einer in allen Bereichen als letzte Instanz galt) als Moment einer demokratisierenden Versachlichung erweisen, als Entlastung, die in der Wirksamkeit des primus inter pares neue Möglichkeiten freisetzt."


Zu diesen Äußerungen passt, was Peter Gülke am Wochenende in einem Interview des MDR sagte: Seine Tätigkeit hätte stets bedeutet, sich und anderen Mühe zu machen! Wenn uns etwas am Weiterbestand der Musik des Abendlandes läge, sei dies nicht ohne diese Mühe, die wir uns alle machen müssten, denkbar. "Schreiben", sagt Gülke, sei für ihn die Fortsetzung des "Musizierens mit anderen Mitteln. und weiter: "Ich möchte beides so eng beieinander halten, wie es nur geht. Das Wort erreicht ja das, was Musik sagt, nie ganz. Es kann Musik, das musikalische Phänomen nur einkreisen. Mir macht es einfach große Freude, über geschätzte und geliebte Musik viel zu wissen. Ich schreibe über Musik, um sie noch schöner zu finden, als das ohnehin schon der Fall ist."

Mit dieser Haltung – um Vergebung, lieber, verehrter Peter Gülke – ist der zu Ehrende ganz gegen seinen Willen sicherlich selbst und vielleicht gerade deshalb zur Instanz geworden und könnte künftigen Generationen, um an den Beginn anzuknüpfen, als 'Triumph eines neuen, vor allem anderen Dirigententyps' gelten. Das mögen Musikwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler der nächsten Generationen entscheiden.

Vorerst begnügen wir uns mit besten Geburtstagswünschen und ich darf allen Gratulanten, insbesondere jenen, die sich mit eigenen Beiträgen hier vorstellen, im Namen der HfM Dresden und im Namen der Sächsischen Akademie der Künste für die Beteiligung am Ehrenkolloquium danken.
Von Herzen alles Gute, Gesundheit und weiterhin ein für uns alle inspirierendes Wirken im Dienste der Musik, lieber Peter Gülke – und ich verspreche: Wir geben uns Mühe!

18
Feb
2014

Neue Räume für Musikhochschule

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"Noch haben die Bauarbeiter im Haus 2.5 des Kraftwerks Mitte das Sagen. In einem Monat schon sollen aber nicht mehr Bohrmaschinen und Trennschleifer den Geräuschpegel bestimmen, sondern Klaviere, Geigen und Gitarren. Die Hochschule für Musik wird als erster Mieter im März in ein saniertes Gebäude auf dem Gelände des Kraftwerks einziehen."

So melden heute die Dresdner Neuesten Nachrichten.

In meiner Rede zur Investitur 2010 hatte ich neben anderen Schwerpunkten benannt und gefordert:

"Vielleicht lässt sich im Kraftwerk sogar ein Übestudio einrichten, damit in diesem Haus endlich Professoren eigene Zimmer erhalten, ihren Unterricht mit ihrem künstlerischen und auch administrativen Tun besser koordinieren können und wissen, wo sie ihre Tasche abstellen dürfen."

und

"Attraktive und praxistaugliche Studienangebote, Arbeits- und Rahmenbedingungen für Musikvermittlung, Musikpädagogen und Musiklehrende, die wir in unserer Gesellschaft dringend brauchen, wollen wir als Musikland und Musikstadt weiterhin Geltung behalten."

Dass nach 3 1/2 Jahren in dieser Frage Fortschritte "sichtbar" sind, ist wirklich eine gute Nachricht.

Begrüßung zu CANDIDE

...inzwischen eine schöne Erinnerung - aber eine wirklich ganz wundervolle...

Verehrtes Publikum,

leben Sie in der besten aller Welten? Haben Sie sich über diese seltsame Frage schon einmal Gedanken gemacht?
Der heutige Abend IST die beste aller möglichen Welten. Sie hören wundervolle Musik, genießen herrlichen [Un]-Sinn, beschäftigen sich mit weltberühmter Philosophie, bekommen das Ganze golden verpackt mit dem funkelnden Papier des großen Loriot. Im günstigsten Falle gehen Sie aufgeklärt UND amüsiert nach Hause! Dazu so viele junge Leute auf der Bühne – was könnte die Welt noch besser machen in dem Augenblick? Sie sind wahrlich zu beglückwünschen.

So wie ich im Jahre 1996, als mich meine Biografie nach München führte. Unser heutiger 'Erzähler', Prof. Klaus Schultz, damals Staatsintendant am Gärtnerplatztheater, Münchens zweitem Opernhaus, engagierte mich als Dirigent. Eine der ersten Begegnungen: Loriot. Sieben Wochen intensivste Zusammenarbeit an Flotows MARTHA (jawohl, jene, die entschwand und mit ihr das fäschlich besungene Portemonnaie…). Besser ging nicht. Akribie, Humor auf den Punkt (in den Proben fast ohne zu lachen!), Disziplin (etwas preußisch durchaus) und absolute Menschlichkeit – eine herrliche, unvergessliche Zeit.

Später steuerte das Schiff in ganz andere Regionen – mit den Zeitgenossen Reimann, Henze, Tarnopolski, Terterian, Schnebel und Nono setzte Klaus Schultz neben Mozart, Verdi und Strauss ganz andere Akzente und prägte seine Intendanz mit modernen Werken und großen Erfolgen bei Publikum und Presse. Ich hatte die Freude und Ehre, all diese Werke dirigieren zu dürfen. Das war die beste aller mir damals möglichen Welten. Mittendrin Bernstein und Loriot mit CANDIDE – ausgerechnet das ging jedoch an mir vorüber und ich erlebte es nur als Beobachter. Der viel zu früh verstorbene Bernstein-Schüler und Mitarbeiter David Stahl hatte selbstredend das Privileg der ersten und vieler weiterer Nächte, die dem Stück rasenden Zuspruch brachten.

Zeit, in der besten aller nun erreichten Dresdner Welten diese Lücke zu schließen und etwas Dank abzustatten, in den ganz besonders auch die Musikerinnen und Musiker der Staatsoperette mit ihrem Intendanten Wolfgang Schaller sowie alle Mitarbeiter der HfM Dresden eingeschlossen seien! Doch nun voran in die heilsame Geschichte, denn nur das Bestellen des Gartens bewahrt uns vor zu viel Optimismus in dieser grässlichen, aber besten aller Welten…

"Live is happiness indeed" – diesen Abend zumindest und ganz gewiss –

wünscht Ihnen
Ihr
Ekkehard Klemm

Zum Gedenken an Peter Zacher

Peter-Zacher

Am 14. Februar fand die Trauerfeier für Peter Zacher statt - jahrzehntelang Musikkritiker in Dresden. Ich hatte die Ehre, einige Worte des Gedenkens zu sprechen:


Verehrte Angehörige,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ist "Musikkritiker" ein Beruf? Und wenn ja – was ist Musikkritiker für ein Beruf? Oder handelt es sich eher um eine Berufung?

Es scheint, die Musikkritik entwickelt sich parallel zum bürgerlichen Konzertwesen. Sind es am Anfang die Komponisten selbst, die im Sinne des Wortes "Musik kritisieren" – Weber, E.T.A. Hoffmann, Schumann, Berlioz, Tschaikowsky, Debussy – wechselt im 19. Jahrhundert das Berufsbild in die Hand derer, die nicht selbst tonschöpferisch tätig sind: Hanslick, Nietzsche, Shaw, im 20. Jahrhundert Adorno, Romain Rolland, Alfred Einstein… Das geteilte und später vereinigte Deutschland kennt einige herausragende Personen, zumeist Musikwissenschaftler, die mit Leidenschaft, Ausdauer, großer Kenntnis in der Sache und auch Empathie die Tätigkeit der Musikkritik wirklich zum Beruf gemacht haben, weil sie es als Berufene getan haben: Joachim Kaiser in München, Hans Heinrich Stuckenschmidt in Frankfurt; in jüngerer Zeit Götz Thieme in Stuttgart, Reinhard J. Brembeck in München, Stefan Mösch in Berlin oder Eleonore Büning wiederum in Frankfurt gehören gewiss dazu.

In Dresden war diese Instanz in den letzten Jahrzehnten Peter Zacher. Alle kannten seinen Namen, lasen – durchaus ehrfurchtsvoll und aufmerksam – seine Rezensionen. Und doch wissen wir alle recht wenig von ihm persönlich. Das geht bis dahin, dass ich nach der Nachricht von seinem Tod am meisten über die 74 Lebensjahre staunte: Ganz ehrlich – ich hatte ihn jünger geschätzt, gleichwohl er von Krankheit und einem aufreibenden Lebensstil gezeichnet schien. Vor dem Konzert und in der Pause fand man ihn ganz sicher rauchend vor dem Haus – nach dem letzten Ton eilte er aus dem Auditorium und wollte sich nicht durch die Länge oder Heftigkeit des Beifalls beeinflussen lassen. Ausgerechnet aber eine meiner letzten optischen Erinnerungen an ihn widerlegt diese Marotte: Nach dem War Requiem im Oktober in der Kreuzkirche schwätzte er mit einer Kollegin! Unfassbar!

Es zeichnete Zacher aus, dass er bereits lange vor der Wende ein kompetenter und aufrichtiger Rezensent war, der in die Fußstapfen eines Hans Böhm, Gerhard Böhm oder Eberhard Kremtz trat und eigene Schwerpunkte hatte und zu setzen wusste. Als Student war ich einmal Gast bei ihm zu Hause und ich erinnere mich an einen aufgeschlossenen, anregenden Abend. Ganz sicher war Theodorakis eines der Themen. Christian Hauschild, als dessen Assistent ich damals arbeitete, bereitete Axion esti vor. Ich stand der Musik eher reserviert gegenüber – Zacher warb für sie, wie wir alle wissen. Hier wie an vielen anderen Stellen war es vor allem die Aufrichtigkeit eines Künstlers, die ihn faszinierte.

Es gab Stücke, mit denen Peter Zacher seine Probleme hatte und sie deutlich artikulierte, oft, das dürfen wir an dieser Stelle ruhig zugeben, hat uns das ebenso geärgert, wie es letztlich für seine Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit sprach. Das Deutsche Requiem von Brahms, auch die Jahreszeiten von Haydn und Verschiedenes von Richard Strauss, etwa die Alpensinfonie, hatten es nicht leicht. Dagegen war die Neugier auf Ungewohntes und Fremdes sehr groß. Ein vitales Interesse verband ihn generell mit der neuen Musik, wenngleich er hier auch klar Schein und Sein zu trennen wusste. Substanz war ihm eine unabdingbare Voraussetzung, er witterte mit untrüglichem Spürsinn Flachheiten und benannte sie klar.
Reißigers Musik bspw. sei "weder erregend noch originell, es sei denn, man wollte eine überbordende Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit … als persönlichen musikalischen Duktus gelten lassen."
Der Baron v. Swieten bekommt für den Text zu den Jahreszeiten genauso sein Fett weg wie der Komponist: "Schwerer wiegt ihre Biederkeit, weil die auch in Haydns Musik fast durchgängig vorherrscht. Ungeachtet der formalen Vielseitigkeit und des Farbenreichtums der Komposition gibt es nur wenig, das uns heute noch von den Stühlen reißen kann." Das sitzt und lässt den Haydn-Fan ratlos zurück. Und, um noch eins drauf zu setzen: "Nicht alle Werke Wolfgang Amadeus Mozarts sind großartig." heißt die Überschrift einer Kritik, bei der ein Klavierkonzert von Mozart erklang, das Zacher als 'mittelmäßig' einstuft. [PS: Die Überschrift stammte nach Auskunft des zuständigen Redakteurs nicht von Zacher selbst, orientierte sich jedoch am Duktus des Zacherschen Tonfalls.]
Da spricht der 'kluge Außenseiter, der Stoiker, das Unikum', als den ihn seine Kollegen von "Musik In Dresden" in ihrem Nachruf wahrscheinlich recht treffend bezeichnen.

Es gibt einige kontinuierliche Linien in den Auseinandersetzungen von Peter Zacher. Jene mit den Aufführungen des Dresdner Kreuzchores, den er kritisch wie motivierend stets begleitete gehört dazu wohl ebenso wie sein Faible für die Dresdner Philharmonie und generell den Nachwuchs, die Musikhochschule und die Musikensembles der Amateurszene: die Orchester von TU und medicanti, die Chöre der Uni, die Singakademie, zu der er immer wieder kam. Sehr wichtig war ihm die jüdische Musik und er setzte sich mit großem Engagement für Wiederentdeckungen generell wie speziell auf diesem Gebiet ein.

Peter Zacher konnte unbequem urteilen, jedoch waren seine Texte fundiert und nie verletzend. Ein hervorstechender Eindruck für mich ist, dass er um die existenziellen Auseinandersetzungen wusste, denen sich die Aufführenden mit jedem Auftritt stellen. Ein Gespräch über kritische Anmerkungen förderte stets interessante Erkenntnisse und Sichtweisen zutage. Ein Konzert oder eine Aufführung musste ihn vor allem emotional fesseln und ansprechen. Nicht das perfekte Gelingen stand im Vordergrund, sondern die inhaltliche Aussage, die Interpretation und – wenn man das so nennen darf – der Charakter eines Abends.

Ein Charakter war auch Peter Zacher. Er war Musikkritiker aus Berufung und hat diese oft umstrittene Tätigkeit wirklich zum Beruf gemacht, weil er um die Notwendigkeit der Reibungsfläche, der Reflektion und des fundierten Echos wusste als der unabdingbaren Voraussetzung und Notwendigkeit einer Kunst- und Musikstadt. Wir brauchten ihn! Er hat Dresden dadurch viel von seiner Identität gegeben und bewahrt. Mit seinem Tod wird der Stadt eine wichtige Stimme fehlen – wir sind ihm alle zu großem Dank verpflichtet! Dem himmlischen Personal jedoch empfehlen wir das Putzen der oft verschmutzten Brille – die Ohren dürften ja intakt sein!

5
Jan
2014

Stichwort Alumni: Erinnerung an 1982

Konzert-Riesa-1982

Mein Schüler Paul Johannes Kirschner, Kapellmeister und Repetitor am Staatstheater Oldenburg, hat mir das obige Plakat übermittelt - gefunden auf einem Dachboden... Die Erinnerung an dieses Konzert ist überaus lebendig und der Beweis, dass die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden bereits damals lebendige Beziehungen zu den Orchestern der Region unterhielt. Die Zusammenarbeit mit der [mittlerweile] Elbland Philharmonie Sachsenfindet demnächst ihre Fortsetzung. Johannes Fritzsch ist nach seinen GMD-Stationen in Freiburg, Nürnberg, Graz nunmehr Chef in Brisbane (Australien), Claudia Thonke war lange als Professorin an der HfM tätig, Christiane Neuhaus geigt im Konzerthausorchester in Berlin (Tochter des am 03. Januar besprochenen GMD Rudolf Neuhaus), die Wege der anderen sind mir nicht bekannt. [Jochen Süße war damals wahrscheinlich in einer Art Zusatzstudium]

2
Jan
2014

Rudolf Neuhaus zum 100. Geburtstag

Neuhaus

Es gehört zu den prägendsten Erinnerungen im Haus an der Blochmannstraße: Jeden Dienstag und Mittwoch zwängten sich die Musikerinnen und Musiker des Hochschulorchesters für jeweils 3 Stunden in die kleine und schlecht belüftete Aula im Keller des Gebäudes. Der 'Bassbuddha', Heinz Hermann, Solo-Bassist der Staatskapelle und Orchesterdirektor an der Hochschule überwachte akribisch die Anwesenheiten am Eingang stehend. Am Pult ein eher kleinerer Mann mit leicht krächzender Stimme, klaren und kurzen Anweisungen, eindeutiger Zeichensprache, unprätentiös, ehrlich, interpretatorisch geradlinig: Rudolf Neuhaus. Zwei Etagen höher, im legendären Raum 208, wurden zum Spiel auf zwei Flügeln Dirigenten ausgebildet: Neuhaus die Partien 'singend' – inklusive aller denkbaren Unarten der Sänger – und die des Orchesters irgendwie imitierend. Hartnäckig, doch mit Humor werden Kommentare zu den Leistungen am Klavier abgegeben, Klarheit und Deutlichkeit vom Dirigierenden eingefordert, jede Schaumschlägerei mit ironischer Geste bedacht und ins Reich des Unmöglichen befördert. Köstliche Szene bei einer Aufnahmeprüfung Anfang der 80-er Jahre: Ein Kandidat mit Karajan-Attitüde stellt sich vor. Neuhaus: "Kommt der aus Berlin?" – "Ja." "Sieht man."

Das legendäre Zimmer haben etliche Absolventen sehr erfolgreich verlassen: Hartmut Haenchen, Udo Zimmermann, Christian Kluttig, Steffen Leißner, Matthias Liebich, Christoph Bauer, Dieter Kempe, Konrad Bach, Romely Pfundt, Johannes Fritzsch, Hans Peter Kirchberg, Lutz Bürger, Reiner Mühlbach – mit dem viel zu früh verstorbenen Johannes Winkler wäre ein weiterer wichtiger Vertreter zu nennen. Und fast alle der nachfolgenden Absolventen – außer mir selbst u.a. Eckehard Stier, Michael Güttler, Christoph König, Olaf Henzold, Urs Michael Theus, Milko Kersten, Roland Kluttig haben Neuhaus noch erlebt, gekannt, bei ihm hospitiert und ebenso von ihm profitiert. Seine Dirigierausbildung und die durch enorme Repertoirekenntnis geprägte Arbeit mit dem Hochschulsinfonieorchester legte den Grundstein für die folgende und darauf aufbauende von Siegfried Kurz, Peter Gülke, Hartmut Haenchen, Volker Rohde, Alexander von Brück, Jörg Peter Weigle und Christian Kluttig, die die Impulse aufnahmen und weiterführten.

Rudolf Neuhaus wurde in Köln geboren und studierte an der Musikhochschule in Köln bei Hermann Abendroth. 1934-1944 führte ihn ein erstes Engagement ans Landestheater Neustrelitz, dem 1945-1953 das Staatstheater und die Staatskapelle Schwerin folgte, dessen GMD Neuhaus ab 1950 war. Von hier wurde er 1953 an die Staatstheater Dresden und die Musikhochschule berufen, 1959 erfolgte die Ernennung zum Professor. Gastdirigate führten ihn unter anderem an die Dresdner Philharmonie (u.a. Schallplattenaufnahme "Die lustige Witwe"), Staatsoper Berlin, das damalige BSO, Leipziger Gewandhausorchester, Rundfunksinfonieorchester Leipzig und Berlin. In Dresden war er Garant für die Kontinuität an der Dresdner Oper. Als er kam, ging gerade die Ära Kempe zu Ende. Er wirkte neben und mit Franz Konwitschny, Lovro von Matacic, Otmar Suitner, Kurt Sanderling, Martin Turnovsky, Herbert Blomstedt, zuletzt Hans Vonk. In der ihm angeborenen Bescheidenheit trat er 1975 als amtierender stellvertretender GMD hinter Siegfried Kurz zurück, sorgte aber weiter für Stabilität. Neuhaus dirigierte in 32 Jahren ca. 2000 Abende in Dresden, darunter viel großes Repertoire von Mozart, Weber, Wagner, Verdi, Puccini und Strauss, jedoch auch Prokofjew, Wagner-Regeny, Cikker, Fidelio F. Finke, Britten, Gerster, Kunad… - insgesamt beeindruckende 70 Opern. Am 20. Oktober 1985 verabschiedete er sich mit einem Lohengrin in der Semperoper, am 07. März 1990 verstarb er in Dresden.

Von Johannes Winkler ist der wundervolle Satz überliefert: "Es gab nicht die kleinste Distanz zwischen Lehrer und Schüler. All sein Wissen und Können breitete er vorbehaltlos aus und ließ es zu unserem Besitz werden." Ein Satz, so aufrichtig und klar wie Rudolf Neuhaus' Dirigat von Walküre, Tristan, Lohengrin oder der Liebe zu den drei Orangen. Sein Geburtstag am 03. Januar jährt sich zum 100. Mal. Die HfM Dresden widmet ihr Konzert des Hochschulsinfonieorchesters am 10. Januar und eine Alumni-Musizierstunde am 18. Januar dem Gedenken an Rudolf Neuhaus.

23
Dez
2013

Komponisten ABC der Singakademie Dresden 2004 - 2013

Singakademie-Coventry-II

Aus Anlass meines 10-jährigen Jubiläums bei der Singakademie Dresden habe ich mit tiefem Dank allen Sängerinnen und Sängern gegenüber ein kleines Komponisten-Lexikon aller aufgeführter Werke unter meiner Leitung und Mitwirkung zusammengestellt. Respekt, meine Lieben, was da so zusammenkommt...

Wer es übersichtlicher haben will, sollte jeden Montag und Donnerstag (Kammerchor) in die Probe kommen! Wir werden die Liste in den nächsten Jahren würdig fortsetzen (und auch mal was wiederholen!)!


Armenische Sharakans 2005 (Adventsstern)
Bach, Johann Sebastian Jesu, meine Freude 2010 Johannes-Passion 2005 Magnificat 2006 (Adventsstern) Matthäus-Passion 2008 Messe in A-Dur 2008 Messe in h-Moll Kyrie+Gloria 2011 Credo 2012 Sanctus - Agnus Dei 2013 Weihnachtsoratorium Kantate 2+5 2004 Kantate 1+3 2005 Kantate 4+6 2010
Beethoven, Ludwig van Christus am Ölberge 2010 Missa solemnis 2007 Ouvertüre Leonore II 2010 Sinfonie Nr. 9 (jährlich mehrmals) Blacher, Boris Der Großinquisitor 2008 Romeo und Julia 2010
Brahms, Johannes Alt-Rhapsodie 2008 Ein deutsches Requiem [2003], 2004, 2005, 2006, 2007, 2009, 2011, 2013 (München) Fest- und Gedenksprüche (mehrfach)2011, 2012, 2013 (England) Nänie 2008
Britten, Benjamin A ceremony of carols 2012 Cantata St. Niclas 2004, 2013 Five flower songs 2013 (u.a. England) War Requiem 2013 Carissimi, Giacomo Jephte 2007 (Fassung von Henze)
Charpentier, Marc-Antoine Messe de minuit 2007
Denissow, Edison Stilles Licht 2005 (EA Dresden und Chemnitz)
Depresz, Josquin Ave Maria 2008
Dvořák, Antonîn Svatební Košile (Die Geisterbraut) 2004 Missa in D (mehrfach) u.a. 2004, 2008 Stabat mater 2013 (mit HfM)
Eccard, Johann Motetten (mehrfach) u.a. 2004, 2011 sowie regelmäßig beim Weihnachtsliedersingen
Fauré, Gabriel Requiem 2008
Franck, Melchior Evangelienmotetten 2005
Füting, Reiko Der Töne Licht (mehrfach) u.a. 2012, 2013 (England) höhen stufen 2011 (UA Adventsstern)
Gounod, Charles Cäcilienmesse 2008
Händel, Georg Friedrich Solomon 2013
Hammerschmidt, Andreas Weihnachtsmotetten 2011
Hassler, Hans Leo Lustgarten neuer teutscher Gesänge 2010
Haydn, Josef Die Jahreszeiten 2011 (mit HfM) Die Schöpfung 2009 Die sieben Worte am Kreuz 2004 Harmoniemesse 2009
Henke, Franziska Gitarrenkonzert 2012 (UA)
Hensel, Fanny Hiob 2007
Herchet, Jörg Kantate zum Sonntag nach Weihnachten 2008 (dt. EA, Adventsstern)
Homilius, Gottfried August Jauchzet dem Herrn, alle Welt 2006 Unser Vater in dem Himmel 2006 Wir wissen, dass wir aus dem Tode… 2006
Honegger, Arthur Le Roi David 2012
Janáček, Leoš Glagolitische Messe 2005 Otče náš 2004
Keuk, Alexander Ein Tropfen, ein Schluck in der Höhe 2013 (UA, Adventsstern)
Klemm, Ekkehard 3 in 1 2006 (UA) Psalmen 2009
Kodaly, Zsoltan Jesus und die Krämer 2012
Krätzschmar, Wilfried fragmentum 2012 (UA, Adventsstern)
Krakova, Mikołaj za Salve Regina 2012
Krása, Hans Brundibar (mehrfach), u.a. 2007, 2008 (USA)
Leopolita, Marcin Mihi autem 2012
Liszt, Franz Missa choralis 2011
Lully, Jean Baptiste Te deum 2007
Marschner, Heinrich Das Testament 2010
Martin, Frank Golgotha, 2012 Martinů, Bohuslav Concertino für Klavier und Orchester 2009 Die Geburt des Herrn 2009 Gilgamesch-Epos 2009 Jungfrau Mariens Bild 2008
Mauersberger Eine gesitliche Sommermusik (Ausschnitte) 2005 Lukas-Passion 2006, 2007, 2009 (München, Stuttgart, Salzburg), 2011 (Aachen, Bad Hersfeld, Mildenau), CD- Produktion 2009 Wie liegt die Stadt so wüst (mehrfach) u.a. 2005, 2011 (Aachen)
Mendelssohn Bartholdy, Felix Christus (Fragmente) 2009 (Adventsstern) Elias 2007 Konzert f. Violine, Klavier und Orchester 2009 Paulus 2010 Trinklied 2010 Walpurgisnacht (mehrfach) u.a. 2009, 2010, 2012 Wie der Hirsch schreit 2009
Mozart, Wolfgang Amadeus Davide penitente 2012 Kanons 2006 Krönungsmesse KV 317 2011 (mit HfM) Missa longa KV 262 2012 Requiem 2006, 2011 (u.a. Salzburg), 2012
Obrecht, Jacob Matthäus-Passion 2009
Orff, Carl Carmina burana (jährlich mehrmals)
Otto, Julius Es liegt ein langer Magister 2010
Pärt, Arvo Arbos 2004 (Adventsstern) Johannes-Passion 2005 Magnificat 2008
Palestrina, Pierluigi Ave, mundi spes, Maria 2008
Paligon, Marcin Rorate caeli 2012
Penderecki, Krzysztof Agnus Dei 2005
Pepping, Ernst Jesus und Nikodemus 2012
Purcell, Henry Dido and Aeneas (mehrfach) u.a. 2007, 2008 Lord, how long wilt you be angry 2013 (England) Magnificat 2008
Raphael, Günter Das Wort ward Fleisch 2010, 2012 Glaubensbekenntnis 2010
Reinicke, Carl Das Hildebrandlied 2010
Rosenmüller, Johann Dilexi 2012
Salieri, Antonio Requiem 2011 (Dresden und Salzburg)
Schnittke, Alfred Nr.8 aus Busspsalmen 2005
Schönberg, Arnold Ein Überlebender aus Warschau 2009 Moses und Aron 1. Szene 2009
Schubert, Franz Deutsche Messe 2010 Stabat mater D 383 2007 Stabat mater D 175 2007
Schütz, Heinrich Deutsches Magnificat 4-stg. 2008, 2009 Deutsches Magnificat 8-stg. 2008, 2009 Also hat Gott die Welt geliebt 2005 Herr, unser Herrscher (mehrfach) u.a. 2005 Herzlich lieb 2012, 2013 (England) Ich bin der rechte Weinstock 2005 Sammelt zuvor das Unkraut 2005 Matthäus-Passion 2009
Schumann, Robert Doppelchörige Gesänge op. 141 (mehrfach, u.a. Dresden 2010, 2011, 2012 und England 2013) Genoveva 2010 (konzertant) Faust-Szenen 2005 (komplett) Faust-Szenen Teil III 2008, 2010 Jagdlieder f. 4-st. Männerchor und Hörner 2010 Nachtlied 2006 Requiem 2006 Romanzen und Balladen op. 67 2010 Romanzen f. Frauenstimmen op. 92 2010
Schultz, Wolfgang Andreas Archaische Landschaft… 2007 (UA)
Spohr, Luis Die letzten Dinge 2009
Stravinski, Igor Psalmensinfonie 2008
Szymanowski, Karol Stabat mater 2005
Tal, Josef Shape 2010
Terterian, Avet Sinfonie Nr. 6 2005 (EA Dresden, Adventsstern)
Thallis, Thomas Spem in alium 2011 (Musikfestspiele)
Umlauft, Paul Der Sommer 2006 Heraus 2006 Lied des Einsiedels 2006 Mailied 2006
Verdi, Giuseppe Ave Maria 2008 Opernchöre 2005, 2013 Pater noster 2013 (mit HfM) Requiem 2004, 2008
Voigtländer, Lothar MenschenZeit 2007 (UA, Adventsstern)
Wagner, Richard Opernchöre 2013
Weber, Carl Maria von Messe G-Dur 2006 Messe Es-Dur 2006
Weiss, Manfred Confessio saxonica 2006 (UA, Adventsstern)
Zielénski, Mikołaj Beata es, virgo Maria 2005 Laetentur omnes 2005, 2012

13
Dez
2013

Hartmut Haenchen: WERKTREUE UND INTERPRETATION

Haenchen

Buchempfehlung

Im Pfau-Verlag Saarbrücken ist ein zweibändiges Werk des Dirigenten Hartmut Haenchen erschienen: Viel Information und sehr nützliche, wichtige und fundierte Hinweise (Vorhalte, Artikulation, Tempi, Vibrato, Aufführungspraxis allgemein von Bach bis Reimann...) für schlappe 35 Euro! Glückwunsch dem Autor und dem Verlag - nach Hermann Scherchens "Lehrbuch des Dirgierens" und Hans Swarowskys WAHRUNG DER GESTALT vielleicht das wichtigeste Lehrbuch für Dirigent/innen.

MDR Figaro, 17. Dezember, 20.05 Uhr

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(na ja: um ehrlich zu sein, es haben an diesem Vormittag des 27. Oktober nicht nur die Streicher im Mittelpumkt gestanden...)

Live-Mitschnitt eines Konzertes in der Semperoper Dresden. Herzliche Empfehlung!

12
Okt
2013

Britten, WAR REQUIEM zum 100. Geburtstag in der Kreuzkirche Dresden

Singakademie-Coventry-I

Es war wohl einer der eindrücklichsten Momente unserer Reise nach England, in den Ruinen der Kathedrale in Coventry Schumann und Britten zu singen und damit einen kleinen Mosaikstein zum großen Gedanken der Versöhnung hinzuzufügen, wie er unmittelbar nach der Zerstörung der Kirche im November 1940 seinen Ausgang nahm. Bereits zu Weihnachten des gleichen Jahres war es der Domprobst Richard Howard, der zu Vergebung und Versöhnung aufrief. Entstanden ist eine weltweite Verbundenheit in der sogenannten 'Nagelkreuzbewegung', zurückgehend auf die Formung eines Kreuzes, zunächst aus verbranntem Holz, später aus Nägeln der zerstörten Kirche. Die Litanei wird jeden Werktag um die Mittagszeit gebetet, unser Chor war eingeladen, am Tag seines Konzertes daran teilzuhaben. Mit Schütz, Lechner, Purcell, Schumann, Brahms, Britten und Reiko Füting durften wir am Abend selbst ein Konzert in der Kathedrale gestalten.

Der Geist der Versöhnung und Vergebung ist in Coventry mit dem festen Glauben verbunden, dass ein Neuanfang möglich und nötig ist, um wirklichen Aufbruch zu entfachen. Die Art und Weise, wie dies – ausgehend von der geistlichen Erneuerung – auch hinsichtlich der konsequent modernen künstlerischen Gestaltung gelang, ist tief bewegend und beeindruckend. Es wurde ein ganz zeitgemäßes spirituelles Symbol geschaffen für das, was christlicher Glaube den Menschen in Coventry, England und allen an Versöhnung ehrlich und ernsthaft interessierten Menschen in der Welt bedeuten könnte. Staunend geht man von den Skulpturen der Ruine hinüber zur neuen Kirche, die durch die berühmten Glasgravuren biblischer Figuren von John Hutton zwar abgegrenzt ist, dennoch offen wirkt und den Blick freigibt auf das Gegenüber, den Altar mit dem Gobelin Graham Sutherland's. Dazwischen schweift der Blick über unzählige andere Kunstwerke, bunte Glasfenster, metallene Skulpturen und das aus afrikanischem Holz gefertigte Chorgestühl. In seitlichen Kapellen befinden sich weitere bedeutende Werke, u.a. die von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin geschenkte Kopie der Stalingradmadonna von Kurt Reuber.

Doch auch die Musik kam zu ihrem Recht. Benjamin Britten wurde mit der Komposition eines Stückes aus Anlass der Weihe beauftragt – herausgekommen ist das WAR REQUIEM, womit die Kathedrale Coventry und der Komponist seit 1962 endgültig auch in den Lexika der Musikgeschichte verankert sind. Es gibt wohl kaum eine gültigere musikalische Auseinandersetzung mit dem, was das grausame 20. Jahrhundert geprägt hat: Krieg, Zerstörung und Verbrechen. Für den von Coventry ausgehenden Gedanken der Versöhnung ist es umso wichtiger, dass diese Musik nicht nur in hochkarätigen Gastkonzerten erklingt, sondern in unseren Alltag tief eindringt. Mit der Kooperation zwischen mehreren Laienchören aus Dresden, München und Jena und den Aufführungen zum Deutschen Chorfestival im Zwickauer Dom und nun in der Dresdner Kreuzkirche hoffen wir, genau das zu erreichen: Dass Menschen die Musik Brittens und ihren Appell ins Herz aufnehmen durch die intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung, dass sie dabei andere mitnehmen und den Gedanken der forgiveness and reconciliation Wurzeln schlagen lassen.

Wir danken allen, die dieses große Projekt mit allen damit verbundenen Ideen unterstützt haben:
- die Rudolf Kempe Society Stratford upon Avon mit Cordula Kempe an der Spitze
- Richard Williams, der die Konzerte der Singakademie in England mitorganisierte
- dem Dresden Trust, seinem Präsidenten, dem Dresdner Ehrenbürger Dr. Alan Russell sowie Chairfrau Evelyn Eaton, die den Chor in
Oxford empfingen
- den Städten Dresden und Zwickau und Coventry
- allen Förderern der Chöre in München, Jena und Dresden
- dem Verband Deutscher Konzertchöre VDKC, der durch sein Chorfestival unter dem Motto "Lichter Schatten Horizonte" den Anstoß
gab, sich des Werkes Brittens anzunehmen.

Nicht zuletzt und ganz besonders sei allen mitwirkenden Künstlerinnen und Künstlern gedankt, den Solisten Jana Büchner, Erik Stokloßa und Andreas Scheibner, den Dirigenten Berit Walther und Hayko Siemens sowie dem Philharmonischen Orchester Plauen/Zwickau!
Möge etwas von den ergreifenden Momenten, die wir mit dem Stück und auf unserer Reise erlebt haben, bei unserem Publikum ankommen.
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